Tag der Pfarrerinnen und Pfarrer am 3. Juni 2026 in Bad Dürkheim
Der Vorsitzende des Vereins Pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer e.V. hat die Anwesenden, wie folgt, über die aktuellen Beschlüsse des Vorstandes informiert. In den letzten Wochen wurden durch den Vorstand wichtige Vorentscheidungen für die nächsten Jahren beraten und wegweisenden Entscheidungen getroffen.
Nachdem in der letzten Mitgliederversammlung im November 2025 eine neue Satzung beschlossen wurde, konnte sich nun der Vorstand eine Geschäftsordnung geben und hat dies auch getan. Diese wurde dem Verwaltungsrat in der Sitzung am 3. Juni kurz vorgestellt.
Anna Thees wurde im Jahr 2025 zur 2. Vorsitzenden und Schriftführerin des Vereins gewählt. Sie hat ihre Bereitschaft erklärt, sich im Jahr 2029 als Kandidatin zur Wahl der 1. Vorsitzenden zur Verfügung zu stellen. Thomas Jakubowski wird nicht mehr kandidieren, da er nur für eine Wahlperiode als Vorsitzender des Vereins bereitsteht.
Außerdem wurde am 3. Juni mitgeteilt, dass Dr. Martin Schuck das Amt des Schriftleiters an Simon Krug abgegeben hat. Die Mitglieder des Verwaltungsrates haben daraufhin Simon Krug einstimmig zum neuen Schriftleiter gewählt.
Dr. Schuck bleibt weiterhin der verantwortliche Redakteur des Pfälzischen Pfarrerblattes. Simon Krug, Dr. Martin Schuck und Thomas Jakubowski bilden nun einen Redaktionsbeirat. An diesen sind Anregungen, Kritik oder Beschwerden im Zusammenhang mit dem Pfälzischen Pfarrerblatt zu richten.
Das Pfarrerblatt kann nun auch ausschließlich digital bezogen werden. Dazu wurde auf die homepage (vppp-wgh.de) eine Erklärung gestellt. Auf diesem Weg kann auch die postalische Zusendung des Dt. Pfarrerinnen und Pfarrerblatts beendet werden.
Julian Kraul wurde in den Anlageausschuss des Werkes der gegenseitigen Hilfe berufen. Geplant ist eine Übergangszeit bis spätestens 2031 für die Neuwahl des Finanzvorstandes. Peter Rummer wird im November 2026 noch einmal kandidieren und würde gerne einen möglichen Nachfolger einarbeiten. Julian Kraul hat sein Interesse dafür angemeldet.
Nach ziemlich genau 30 Jahren wurde Sabine Fritsch als Mitglied des Vorstandes verabschiedet. In dieser Zeit war sie für den Verein Pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer im Pfründestiftungsbeirat tätig und war die Kontaktfrau zum Theologinnenkonvent. Viele Male hat sie den Verein als Delegierte in der Mitgliederversammlung des Verbandes der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland vertreten. Für diese treue und gewissenhafte Tätigkeit hat der Vorsitzende seinen Dank im Namen des Vereins ausgesprochen. Als Nachfolgerin wurde Julia Tatrai gewählt.
Der anschließende Tag der Pfarrerinnen und Pfarrer wurde durch OKRin Marianne Wagner mit einer Andacht eröffnet. Für die Gäste sprach Ecki Möller aus Dresden ein Grußwort. Er ist Vorsitzender des sächsischen Pfarrerinnen- und Pfarrervereins und zugleich Vorsitzender des Verbandes. Sein Vorgänger, Andreas Kahnt, Vorsitzender des Pfarrvereins Oldenburg und Daniel Tenberg aus Bayern waren weitere Gäste. Daniel Tenberg ist 2. Vorsitzender des Bayrischen Pfarrvereins und Vorsitzender der VELKD Pfarrvertretung.
In dem anschließenden Festvortrag, gefolgt von einer regen Diskussion, wurde klar eine Position gegen eine Zentralsteuerung bei aktuellen Reformprozessen bezogen.
So postuliert der Festredner, Religionssoziologe Prof. Dr. Detlev Pollack, dass Kirche eine Schule der Demokratie sein könnte.
Detlef Pollack lehrte bis zu seiner Emeritierung an der Universität Münster. Sein Referat stand unter der Überschrift: „Was lässt sich aus Kirchen- und religionssoziologischen Befunden für die Gestaltung der kirchlichen Praxis lernen?“ Pollack unterschied zunächst den Forschungsgegenstand der Religionssoziologie von dem der Theologie und betonte, dass er zwar auch Evangelische Theologie studiert habe, sich aber als Religionssoziologe und damit eben nicht als Theologe äußern werde.
Pollack lieferte einen komprimierten Blick auf die gegenwärtigen Herausforderungen kirchlichen Handelns. An erster Stelle erwähnte er den Mitgliederrückgang, der auf Austritte zurückzuführen sei, aber auch auf mangelnde religiöse Sozialisation und die demografische Entwicklung. Dazu käme aber auch ein eminenter Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust in der Öffentlichkeit.
Neben dem Mitgliederrückgang seien die Ressourcenprobleme entscheidend: Finanzprobleme und Personalmangel, so Pollack, führten zu Strukturreformen, die bisher zu immer häufiger praktizierten Zusammenlegungen von Gemeinden geführt hätten. Das führe zur Frage nach der richtigen Verhältnisbestimmung von funktionaler Spezialisierung einerseits und Lokalgemeinden andererseits innerhalb der Kirchen, aber auch zur Verhältnisbestimmung zwischen der Pfarrerschaft und der Kirchenleitung. Letzteres ist dringlich wegen der verbreiteten Umstellung der Form des kirchlichen Handelns hin zu Teamarbeit und Multifunktionalität. Am Ende stehe eine komplexe Gemengelage von Organisations- und Kontextproblemen, die zur Frage nach den leitenden Kriterien kirchlichen Handelns führten.
Bei der Frage nach den Kriterien kirchlichen Handelns deutete Pollack sehr deutlich an, dass Theologie allein zwar keine kirchenpraktischen Probleme lösen könne, aber in ihrer kritischen Funktion nicht zu unterschätzen sei. Die Theologie schaffe sich, sofern sie nicht nur nach Gott frage, sondern auch den Glauben selbst zum Gegenstand ihrer Überlegungen mache, selbst eine empirische Grundlage. Diese empirische Grundlage, der gelebte Glaube der Menschen, werde zum Gegenstand der soziologischen Forschung.
Die Empirie, so Pollack weiter, könne zwar nicht sagen, was zu tun ist, aber sie könne die empirische Lage erfassen, einer Beschreibung zuführen und auf dieser Grundlage das Problembewusstsein schärfen und Gelegenheitsfenster erkennen. Das führte zu seiner Empfehlung, die empirischen Forschungsergebnisse zwar ernst zu nehmen, sich in seinem Handeln aber keineswegs von diesen abhängig zu machen. So könnten Ziele zwar nur umgesetzt werden, wenn die empirisch beschreibbare Lage nicht außer Acht gelassen werde; aber gerade im Blick auf die Kirche sei es wichtig zu erkennen, dass die empirische Kirche ein Komplexum sei, das weder theologisch noch soziologisch vollständig erfasst werden könne.
Diese Tatsache spreche entschieden dagegen, bei Reformprozessen eine Zentralsteuerung anzustreben, und deshalb sei eine Selbstrelativierung sowohl der Theologie als auch der Soziologie notwendig. Für eine Dezentralisierung gebe es gute theologische und soziologische Gründe, denn nur so sei Offenheit für zukünftige Entwicklungen zu gewinnen.
Pollack stellte Ergebnisse der empirischen religionssoziologischen Forschung vor, die im Ergebnis darauf hinausliefen, dass Glaube in der Gesellschaft weniger stark als in früheren Jahrzehnten spezifisch den christlichen Gott als Gegenstand erkennt, sondern vielmehr ein unbestimmtes „höheres Wesen“; selbst evangelische Christen glauben stärker in diese Richtung.
Auffällig aber war die überkonfessionelle Zustimmung von Kirchengliedern beider Konfessionen zu der Vorstellung von „Kirche als Schule der Demokratie“. Dieser Satz gründet auf der Interviewfrage: „Meine Erfahrung ist, dass in der Kirche ein wertschätzender Umgang miteinander herrscht“, die als zutreffend oder als nichtzutreffend eingestuft werden konnte. Nur ein Prozent der Protestanten und zwei Prozent der Katholiken lehnten diesen Satz komplett ab, während 88 Prozent der Protestanten und 79 Prozent der Katholiken dem Satz voll zustimmten oder als „eher zutreffend“ bewerteten.
Bei diesem Thema, so nicht nur Pollacks Schlussfolgerung, sondern auch der Tenor der Debatte, habe Kirche eine Zukunftsaufgabe und gleichzeitig eine Chance zum Aufbau eines positiven Images in der Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit habe die Kirche(n) in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten fast nur über negative Schlagzeilen wahrgenommen, und es sei für die Kirchen entscheidend, dass dieses Bild korrigiert werde, so die Einschätzung der Diskussionsteilnehmer.

